Informationsveranstaltung CISM und SBE
Fr, 02. Feb 2007, Schweinfurt
Veranstalter: Wasserwacht Ortsgruppe Schweinfurt

Am ersten Abend ging es um den normalen Stress im Beruf, in der Familie, im Ehrenamt und vielen anderen alltäglichen Situationen. Wir lernten was Stress eigentlich ist, nämlich eine normale Reaktion des Körpers auf eine abnormale Situation. Auch wenn es beim alltäglichen Stress nicht mehr ums nackte Überleben geht, also ums Flüchten oder Kämpfen, reagiert unser Körper immer noch genauso wie damals: Es wird schlagartig Adrenalin frei, Körperfunktionen die fürs Flüchten oder Kämpfen wichtig sind werden schlagartig aktiviert, unwichtige Funktionen in dieser Situation werden inaktiviert. Der Puls und Blutdruck steigt, die Muskeln spannen sich an, man schwitzt.
Es ist jedoch nicht gerade von Vorteil, bei Stress auf der Arbeit, den Chef zusammenzuschlagen oder aus der Firma zu rennen, also zu kämpfen oder zu flüchten. Die überschüssige Energie bleibt also im Körper und der Stress wird nicht abgebaut. Das ist nicht gut und kann sogar krank machen. Deshalb haben wir Methoden kennen gelernt, wie man den Stress abbauen kann. Z. B. durch bewusstes tiefes Durchatmen, Sport, Bewegung an der frischen Luft aber auch Reden und Weinen hilft.
Am zweiten Abend war dann nicht mehr der normale Stress, sondern extremer Stress das Thema. Was sind Situationen, die extremen Stress auslösen können? Wie schützt sich der Körper vor extremem Stress? Wie reagieren wir auf extremen Stress während, unmittelbar danach, längerfristig? Wie kann man mit dem Erlebten umgehen? Wann entwickelt sich das Trauma zu einer Krankheit? Wie kann ich anderen helfen? Wann ist professionelle Hilfe nötig?
Das waren die Fragen, die uns der Referent Markus Heim beantwortete. Anhand von Fallbeispielen aus Bundeswehr, Feuerwehr, Rettungsdienst und Wasserrettung erarbeiteten wir, wann Situationen in einem Menschen extremen Stress verursachen können. Es ist bei jedem Menschen individuell, ob eine Situation extremen Stress verursacht oder nicht, jedoch gibt es einige Kriterien, bei denen die Wahrscheinlichkeit für das Auslösen sehr hoch ist. Wenn Kinder die Opfer sind, man das Opfer oder den Täter kennt oder sich mit demjenigen identifizieren kann, so eine Situation schon einmal erlebt hat oder wenn es um das eigene nackte Überleben geht, kann es zu extremem Stress kommen.
Der Körper hat Schutzmechanismen, die während des Einsatzes wirken, so dass man gar nicht richtig realisiert, was gerade abläuft. Das kann Galgenhumor sein, aber auch das „neben sich Stehen“. Es ist also normal, dass Einsatzkräfte mal einen aggressiven Tonfall haben.
Unmittelbar nach der Stresssituation beginnt der Mensch dann zu verarbeiten, was geschehen ist. Schlaflosigkeit, das Ablaufen des Geschehenen als Film im Kopf, Nachdenklichkeit, sich zurückziehen und vieles mehr, können Reaktionen des Körpers sein. Auch das sind wieder „normale Reaktionen des Körpers auf abnormale, grausame, unmenschliche Situationen“ und kein Grund zur Beunruhigung. Gespräche über den Einsatz auf emotionaler Ebene können hier schon eine große Hilfe sein, das Geschehene besser zu verarbeiten. Hierbei kann jedes Einsatzmitglied dem anderen helfen, indem man den anderen beobachtet und sich Zeit zum zuhören für ihn nimmt. Außerdem können so genannte Peers, das sind speziell geschulte Personen, für Gespräche herangezogen werden.
Klingen die Reaktionen auf das Geschehene jedoch nicht nach ein paar Wochen erheblich ab, sollten die Alarmglocken läuten. Denn jetzt ist professionelle Hilfe für den Helfer nötig. Das Trauma beginnt sich nämlich zu einer Krankheit zu entwickeln. Je länger die Hilfe nicht in Anspruch genommen wird oder andere nicht erkennen, dass man Hilfe braucht, desto schwieriger ist es die Krankheit zu heilen. Es ist also auch hier wichtig, dass die Einsatzkräfte denjenigen nicht mit Sätzen „Sei kein Weichei!“ alleine lassen, sondern dass sie ihm sagen: „Du reagierst ganz normal. Das war wirklich eine besch** Situation.“
Jeder von uns Teilnehmern hat nach dem zweiten Abend wohl die eine oder andere Situation in seinem Kopf Revue passieren lassen, in der das Wissen, das wir vermittelt bekommen haben, sehr nützlich gewesen wäre. Situationen, die man mit diesem Wissen, vielleicht anders gemeistert hätte. Ich hoffe, dass wir das gelernte in Zukunft in der Wasserwacht und in unserem Leben anwenden und, dass bei der nächsten Fortbildung dieser Art noch mehr Wasserwachtler teilnehmen können. Denn jeder hat Stress und kann damit dann vielleicht leichter umgehen.